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Kurzfassung:

Verstaatlichte Industrie 1985: Von der Finanzkrise zur Sinnkrise

Manfred Drennig
Jahrbuch 1985
Thema: 09. Wirtschaft

Die innenpolitische Situation in Österreich wurde Ende November 1985 durch das Bekanntwerden der voraussichtlichen VOEST-Verluste und die darauffolgende Ablösung des Vorstandes schwer erschüttert. Die ÖIAG-Konzernbetriebe, die eine dominante Stellung in der österreichischen Industrie einnehmen, operieren unter speziellen „Rahmenbedingungen“: - hohe Sozialleistungen für die Mitarbeiter, - Einflußnahme politischer Parteien bei der Besetzung von Schlüsselpositionen, - oftmals fehlender Erfolgsdruck der Mitarbeiter, - Zwang zur Arbeitsplatzerhaltung auch bei Verlusten (speziell von den Gewerkschaften ausgeübt). Am Beispiel VOEST wird gezeigt, daß ihre Diversifikationsstrategie (Erzeugung von Elektronikkomponenten, Industrieanlagen- und Roboterbau, Handelsfirma Intertrading) gescheitert ist, während traditionelle Bereiche (z. B. Hüttenbetrieb) Gewinne erzielen konnten. Die Gründe für die Mißerfolge in „neuen“ Märkten liegen in mangelnder Marktkenntnis, in stark verkürzten Lebenszyklen der erzeugten „neuen“ Produkte und im Agieren in bereits fest aufgeteilten Märkten. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit können für die verstaatlichte Industrie folgende Vorschläge für die Zukunft abgeleitet werden: - Grundstoffindustrien sind bei straffem Kostenmanagement und Einsatz neuester Technik überlebensfähig, - der Zugang zum Kapitalmarkt muß offen sein, - dem Marketing muß der Vorrang vor der Produktion eingeräumt werden, - wirtschaftsfördernde Staatsausgaben müssen mehr die offensiven Innovationsförderungen berücksichtigen, - die Verbreitung der politischen Philosophie, daß der Bürger ohne Anstrengung gut leben kann, ist durch ein öffentliches Bekenntnis zu Leistung und Anstrengung zu ersetzen. Von der Lösung der Probleme der verstaatlichten Industrie hängt nicht nur deren betriebliche, sondern auch unsere nationale Zukunft ab.;


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